Abades

An der wunderschönen Küste von Arico im Südosten Teneriffas befindet sich ein geheimnisvoller Ort, den es vielleicht schon bald nicht mehr geben wird – wenn es nach dem Willen italienischer Investoren geht.

Während überall der 2. Weltkrieg tobte, hatte Teneriffa 1943 ganz andere Probleme. Eine Lepra-Epidemie mit 200 Lepratoten und Tausenden Erkrankten suchte Teneriffa heim! Damals warf man die Toten einfach bei Santa Cruz ins Meer aber es wurden immer mehr. Eine andere Lösung musste her. So begann man 1943 auf einem Hügel nah am Meer das sogenannte „Sanatorio de Abona“, ein Krankenhaus für Lepra Erkrankte, mit Kirche, Krematorium, Bungalows etc. zu bauen. Hier sollten alle Erkrankten der Insel zusammengeführt werden.

Über dem Areal thront eine Kirche mit übergroßem Kreuz im franco-typischen Stil. Unzählige Bungalows und grosszügig gestaltete Gebäude auf einem sehr weitläufigen Gelände zeugen davon, dass man hier die Unterbringung vieler Menschen plante.

Doch die Leprastation wurde nie fertiggestellt, der Fortschritt in der Medizin war schneller als die spanischen Bauherren. Es fand sich jedoch schon bald eine andere Nutzung für die Geisterstadt: das Militär erklärte das Gebiet zum militärischen Sperrbezirk und trainierte in den leeren Ruinen den Häuserkampf. Noch heute finden sich überall Einschusslöcher, nicht selten findet man noch Munitionsreste.

 

Irgendwann um das Jahr 2000 war auch damit Schluss und jetzt eroberten neugierige Besucher und Touristen das Areal. Uns fallen unzählige, sehr schöne Graffitis aber auch mahnende Bibeltexte ins Auge. Kunstwerken gleich lassen die Graffitis in Verbindung mit Architektur, karger Landschaft und blauem Meer das Herz eines jeden Hobby-Fotografens höher schlagen. Aber man trifft auch auf die unschöne Seite: leere Flaschen, Müll und Unrat. Ob hier wirkliche okkulte Rituale gefeiert und Hühner geopfert wurden, ist mehr als fraglich. Tatsache ist jedoch, dass diese Kulisse bereits TV Teams anlockte.

Etwas unheimliches und mystisches umgibt diesen Ort und dieses Gefühl verlässt uns erst, wenn man den direkt angrenzenden, erst 1986 gebauten Ort gleichen Namens betritt, 750 fast identische kleine Bungalows in Reih und Glied mit einigen Bars und Restaurants katapultieren uns sofort in eine andere Welt.

Geht es nach dem Willen der italienischen Investoren, dann verschwindet diese Geisterstadt schon bald und macht Platz für mehrere 5* Hotels mit insgesamt 3.000 Betten.

Es bleibt also nicht mehr viel Zeit für einen Besuch ….

 

 

Verfasser: Petra

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.